HERMANN HESSE ÜBER DAS WORT "GLÜCK":

„ICH FAND, DIESES WORT HABE TROTZ SEINER KÜRZE ETWAS ERSTAUNLICH SCHWERES UND VOLLES, ETWAS, WAS AN GOLD ERINNERTE, UND RICHTIG WAR IHM AUSSER DER FÜLLE UND VOLLWICHTIGKEIT AUCH DER GLANZ EIGEN, WIE DER BLITZ IN DER WOLKE WOHNTE ER IN DER KURZEN SILBE, DIE SO SCHMELZEND UND LÄCHELND MIT DEM GL BEGANN, IM Ü SO LACHEND RUHTE UND SO KURZ, UND IM CK SO ENTSCHLOSSEN UND KNAPP ENDETE. ES WAR EIN WORT ZUM LACHEN UND ZUM WEINEN, EIN WORT VOLL URZAUBER UND SINNLICHKEIT".

Was bringt Glück?

"Glücklichsein" ist weit mehr, als nur "sich gut fühlen": Es geht dabei um Themen wie Aufblühen, Stärken einsetzen, sein Potential entfalten, Optimismus kultivieren, belastende Situationen meistern, gut mit sich selbst und mit anderen umgehen. Glück ist das einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt.

 

Glücklichsein hat Auswirkungen auf viele Lebensbereiche.

 

Studien belegen:

  1. Glückliche Menschen haben mehr Erfolg im Beruf:
    bessere Ergebnisse: grössere Kreativität, höhere Produktivität, bessere Arbeitsqualität, höhere Einkommen (z.B. Estrada, Iden & Young, 1994, Staw, Sutton & Pelled 1995)
  2. Glückliche Menschen sind kooperativer:
    weniger egozentrisch, kooperativer, sozialer, großzügiger und emphatischer (z.B. Isen 1970; Kasser & Ryan 1996; Williams & Shiaw 1990).
  3. Glückliche Menschen haben mehr Energie:
    mehr Energie, sind aktiver und haben mehr Flow-Erlebnisse (z.B. Csiksentmihalyi & Wong 1991)
  4. Glückliche Menschen haben stabilere Beziehungen: 
    höhere Heiratsquoten, weniger Scheidung, mehr Freunde, stärkere soziale Unterstützung und wertvollere soziale Zusammenarbeit (z.B. Hacker & Keltner, 2001, Marks & Fleming 1999, Okun, Stock, Hering, & Witter, 1984 
  5. Glückliche Menschen können besser mit Probleme umgehen: 
    Bessere Selbst-Kontrolle und Selbst-Regulation, bessere Coping-Fähigkeit (e.g. Aspinwall, 1998; Fredrickson & Joiner 2002; Keltner & Bonanno 1997)
  6. Glückliche Menschen haben eine bessere Gesundheit: 
    gestärktes Immunsystem (z.B. Dillon, Minkoff & Baker 1985; Stone et al. 1994) und eine höhere Lebenserwartung (z.B. Danner, Snowdon & Friesen 2001; Ostir, Markiges, Black & Goodwin 2000)
  7. Glück ist ansteckend:
    wenn jemand glücklicher wird, besteht eine 25% Chance besteht, dass die anderen Menschen im Umfeld von 1,5 km auch glücklicher werden.  Arbeitskollegen, Freunde, Nachbarn profitieren also auch, wenn Sie Ihr Glück steigern! (Nicholas Christakis, Harvard-Universität und James Fowler Universität von Kalifornien in San Diego. 

Was kann man über Glück lernen?

Glück ist eine Kompetenz, als eine Fähigkeit. Und Kompetenzen kann man erwerben. Glück entsteht aus glücksbringenden Denk- und Verhaltensweisen. Das sichtbare Ergebnis von unserem Denken und Handeln zeigt sich im Aussen: wie wir das Leben betrachten, wie wir mit den Schwierigkeiten im Leben umgehen, wie wir Beziehungen mit andern Menschen gestalten, in der Art wie wir dem Leben Sinn geben, wie wir uns Erfolge ermöglichen, mit Problemen umgehen, wie wir unsere Stärken einsetzen, wie wir mit uns und unserer Gesundheit umgehen. 

 

Wir müssen uns für die Richtung "glückwärts" entscheiden und unsere Denk- und Verhaltensmuster danach richten.

 

Kann jeder Glück lernen?

Ja.

Glück lernen können alle - unabhängig von Alter, Geschlecht, Beruf, Gesundheitszustand, Wohlstand, Nationalität, Religionszugehörigkeit. Glück ist eine innere Haltung, eine Entscheidung zum Glücklichsein. Wir entscheiden selbst, was wir Denken und wie wir uns Verhalten. 

 

Glück kann lebenslang erlernt werden

Unser Hirn ist "neuroplastisch" d.h "veränderbar". Wir sind also bis ins hohe Alter fähig, durch Gedanken und Übung unsere Hirnstruktur zu verändern und können so diese Fähigkeit unseres Geistes lebenslang zu Gunsten unseres Wohlbefindens nutzen. 

 

Wieviel Einfluss habe ich auf mein Glück?

Grosse wissenschaftliche Untersuchungen deuten auf folgende Verteilung hin: Etwa 50 % unserer Fähigkeiten zum Glücklichsein hängen nicht von uns ab, sondern von unserer genetischen Ausstattung und unserer Vergangenheit. Ca. 10 % werden von den äusseren Umständen bestimmt (Demokratie oder Diktatur, graues oder sonniges Wetter, Land oder Stadt. Ca. 40 % hängen von unseren eigenen regelmässigen Anstrengungen ab.

Dies lässt uns also einen sehr grossen Handlungsspielraum, in dem wir für unser Glück sorgen können.

 

Ist Glück wie Kuchen backen.

 

Glück entsteht im Zusammenwirken von bestimmten Zutaten, wie ein Kuchen.

 

Als Beispiel: Mehl alleine ist zwar nahrhaft, ist einzeln jedoch noch kein Geschmackswunder, Zucker alleine ist zwar süss - die Energie nach 15 Minuten wieder verpufft, Backpulver hat ein grosses Potential in sich, kann es aber alleine nicht entfalten. Jede Zutat hat als Einzelnes seine Fähigkeit, aber erst im Zusammenwirken entsteht dieses Geschmackswunder "Kuchen" mit einer luftig leichten Konsistenz, gut im Biss, gibt lange Energie, herrlich duftend, schmackhaft und köstlich und erfreut das Herz. 

 

Auf das Glück angewendet: Positive Emotionen zu erleben ist schön. Ein Ziel erfolgreich zu erreichen macht stolz. Lebenssinn zu haben ist erfüllend. Gute Beziehungen zu haben gibt Sicherheit. Bringen sie uns im Einzelnen diesen dauerhaften Zustand des Wohlbefindens, der uns zum Aufblühen bringt?  Nein, erst das Zusammenspiel von mehreren Faktoren ermöglicht, dass ein Nebenprodukt entsteht namens "Glück".

 

Glück ist also ein bisschen wie Kuchen backen, mit dem Unterschied: es macht viel Spaß, das ganze Umfeld profitiert davon, es ist sehr gesund und wenn gut gepflegt, hält der Glückskuchen ein Leben lang!   

Was macht glücklich?

Seit den 70er Jahren kristallisiert sich heraus, dass unsere Lebenszufriedenheit mit wachsendem Fortschritt und Wirtschaftswachstum nicht weiter steigt. Deshalb fragt sich auch die Wirtschaft und Politik, was denn glücklich macht. Und so forschen Psychologen, Philosophen, Ökonomen, Politologen auf unserem Planeten nach den Wirkmechanismen fürs Glück.

 

Das Geld?

Lange dachten wir: mit dem Wohlstand kommt das Glück. Unsere Wirtschaft und das Bruttosozialprodukt wachsen, der Wohlstand steigt, dennoch stagniert die Lebenszufriedenheit der Menschen in den westlichen Ländern. Depression ist die am schnellsten wachsende Krankheit in den Wohlstandsländern. Studien belegen: eine gewisse finanzielle Sicherheit benötigt das Glück, aber ab einer gewissen Einkommenshöhe werden die Menschen nicht zufriedener. Warum? Einerseits tritt der Gewöhnungseffekt ein, anderseits neigen wir Menschen dazu, zu vergleichen - und es hat immer jemand, der noch mehr hat. Der durchschnittliche Lottogewinner ist nach einem Jahr wieder auf demselben "Set Point of Happiness" wie vor dem Gewinn. Und mit mehr Geld kommen meist auch mehr Anschaffungen, deren Verwaltung und Pflege benötigt wiederum Zeit. Wertvolle Zeit, die abgeht von den Tätigkeiten, die uns wirklich glücklich machen. Was macht uns Menschen dann glücklich? Das viele Geld kann es also nicht sein: Costa Rica gehört zu den ärmsten lateinamerikanischen Ländern - und gehört zu den glücklichsten Ländern weltweit.

 

Die Gesundheit?

Der bekannte Astrophysiker Steven Hawkins sprach stets von einem erfüllten Leben - trotz seiner Krankheit, der Gefangenschaft im Körper und stetiger Todesbedrohung. Die Lebenszufriedenheit nimmt gemäss Statistik zu, je älter man wird. Genau in der Altersklasse, in der die meisten mit gesundheitlichen Einschränkungen zu leben haben, nimmt die Lebenszufriedenheit zu. Gesundheit kann also auch keinen allzu grossen Einfluss aufs Glücksempfinden haben.

 

Das politische und kulturelle Umfeld?

Die Glücksforschung erkannte, dass politische und wirtschaftlich Faktoren, wie Möglichkeit zur Arbeit und Einkommen, freies Denken und Wachsen, Mitbestimmung, Bildungsmöglichkeit, soziale Sicherheit, etc.) förderlichen Einfluss haben. Kulturelle Eigenschaften wie z.B. die Vertrauenskultur der Norweger, das respektvolle Miteinander der Schweizer, der Fokus auf verantwortliche Freizeit- und Gemeinschaftsgestaltung der Australier, der Familiensinn der Costa Ricaner, das Status-freie Denken der Kanadier, sind förderlich fürs Glücksempfinden von Nationen, aber nicht vom Einzelnen.

 

Was dann?

 

Individuelles Glück?

Vielleicht kann uns dazu die alte fast mittel- und zahnlose Frau in Bangladesh, in einem Land voller Elend, welche sich als "very happy", sehr glücklich, empfindet und von Glücksforschern besucht wurde, weiterhelfen: Nicht nur sie hat den Glücksforschern viel erzählt, sondern weltweit wurden glückliche Menschen gefragt, was denn glücklich macht

 

und es wurde festgestellt:

 

überall auf der Welt weisen glückliche Menschen ähnliche Denk- und Verhaltensmuster auf:

  • Sie pflegen und genießen Beziehungen zu Familie und Freunden
  • Sie drücken ihre Dankbarkeit aktiv aus
  • Sie bieten anderen Hilfe an, z.B. Kollegen oder Passanten
  • Sie blicken optimistisch in die Zukunft
  • Sie genießen ihr Leben und sind innerlich mehr im gegenwärtigen Moment
  • Sie treiben regelmäßig bzw. häufig Sport
  • Sie verfolgen Ziele und Ideal (z.B. ihren Kindern Werte weiterzugeben)
  • Sie erfahren ebenso Stress, Krisen und Tragödien wie andere Menschen, doch sie gehen konstruktiv damit um.

 

Diese Denk- und Verhaltensmuster können gelernt werden und trainiert werden.